Erzählsituation & Erzählperspektive

   
 

Erzählperspektive (point of view / narrative perspective)

Art und Weise der Präsentation von : Personen/Ereignissen/Schauplätzen/zentralen Handlungselementen

Die vielfältigen Erzählhaltungen können vereinfacht durch 3 Positionen veranschaulicht werden:



 
I)
Auktoriale Erzählsituation (omniscient point of view)
   
  • durch außenstehenden Erzähler, der auf Protagonisten der dritten Person (third person narrator) verweist
  • Handlung wird aus einer allwissenden Perspektive wiedergegeben.
  • Ort, Zeit und Geschehen können beliebig gewechselt werden.
   

Heterodiegetisch (heterodigetic)= erzählendes Ich (narrating I )
Das "erzählende Ich" hat unbegrenzte Wahrnehmung, weil der Erzähler
außerhalb der von ihm erzählten Welt steht, er ist also allwissend.

Die auktoriale Erzählsituation wurde vor allem im traditionellen Epos sowie im frühen
Roman angewandt.

 

 
II)
Ich Erzählsituation (first person narrator)
   
  • durch Protagonisten oder Nebenfigur (beteiligte Personen)
  • ein Großteil der Romane setzt einen Protagonisten (a protagonist / main character) als Erzähler ein.
    z.B. Laurence Sterne: "Tristram Shandy"
Charles Dickens: "David Copperfield"
    Ziel der „Ich Erzählung“ durch Protagonisten(main character):
möglichst genaue, subjektive Wiedergabe der Erlebnisse und Gefühle des Erzählers.
    Ziel der „Ich Erzählung“ durch Nebenfigur (minor character):
   
  • Nähe zum Protagonisten kann bewusst vermieden werden
  • Mystifizierung des Protagonisten
    z.B. Melville: Moby Dick
F.Scott Fitzgerald: The Great Catsby
    Durch gezielten strukturellen Einsatz der Erzählperspektive werden inhaltliche Aspekte vorweggenommen.

Homodiegetisch (homodiegetic)= erlebendes Ich (experiencing I ) :
begrenzte Wahrnehmung, weil der Erzähler von einer Welt berichtet, an der er selbst als Figur beteiligt ist.

 
Viele Romane aus dem 18. und 19. Jhdt zeichnen sich durch eine starke Erzählpräsens und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein dieser Erzähler aus. Zur Moderne hin ist eine Tendenz zu einer zurückhaltenden Erzählinstanz zu beobachten.

 

 
III )
Personale Erzählsituation (figural narrative situation)
   
  • Durch handelnde Personen (kommentarlos)
  • Der Erzähler (narrator = textinterne Person) tritt in den Hintergrund ;
  • Handlung wird scheinbar durch agierende Personen des Textes wiedergegeben
  • Sie kann durch unterschiedliche Präsentationsformen vermittelt werden (z.B. durch indirekte Rede, gedankliche Reflexion
  • Die personale Erzählsituation wird häufig eingesetzt, wenn sich der Leser selbst ein Urteil bilden soll.
   
Stream of consciousness technique:
In der Moderne kam das Bestreben auf, sich von alten Konventionen zu lösen und neue, unkonventionelle Formen zu suchen. Eine solche unkonventionele Form ist die stream-of-consciousness-Technik, welche versucht, die Gedanken einer Person möglichst naturgetreu wiederzugeben, d.h. ohne Rücksicht auf Logik, Syntax oder grammatikalische Richtigkeit, dafür aber mit allen Assoziationen und Gedankensprüngen.
The stream of consciousness- technique reveals the inner thoughts of a person true to life regardless of syntax and chronological order ( Bsp. sind "Who´s afraid of Virginia Woolf", "A Portrait of the artist as a young man" und "Death of a Salesman")

Innerer Monolog (interior monologue)
Erlebte Rede (free indirect discourse)

    Erzähler tritt in den Hintergrund. Das Geschehen wird durch die psychischen Reaktionen einer handelnden Person vermittelt.

 


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