Das Problem mit dem Zentralabitur
Ein redaktioneller Beitrag für abizeitung-druckstdu.de            

Dass Abiturnoten eines Bundeslandes, kaum mit jenen aus einem anderen vergleichbar sind, ist in Deutschland kein großes Geheimnis. Vor dem gefürchteten Numerus Clausus sind hingegen alle gleich. Zeit die Frage nach dem Unterschied zwischen Studienberechtigung und Studienbefähigung aufzuwerfen? Nun ja, fragen schadet nicht, oder wie war das?

In einer Hinsicht ist die Abiturphase doch in jedem Bundesland gleich. Wenn es um das schier endlose Pauken, die Abipartys, die Abifahrt, die Abizeitung oder die Zeit nach dem Abi geht, stellen sich für alle die gleichen Fragen, die gelöst werden müssen. Vieles, wie die Gestaltung der Abizeitung, lässt sich relativ gut planen. Hat man erst einmal ein Team, das sich um die Inhalte kümmert, dann ist die Frage nach dem Druck und anderem, prinzipiell nur noch eine reine Formsache, die mittlerweile auch sehr gut online erledigt werden kann. Zur Not lässt sich sogar nicht nur der Druck, sondern ferner auch das Layout komplett online regeln - so zum Beispiel bei druckstdu.de.
Die andere Hinsicht jedoch, in welcher sich die Abiturphase bundesweit sehr wohl unterscheidet, ist die der Abiklausuren und -prüfungen.

Diesbezüglich wird schon seit Langem beanstandet, dass hier kaum Vergleichbarkeit herrscht und somit Ungerechtigkeiten sich eingeschlichen haben, weil es in manchen Ländern wohl faktisch leichter ist ein sehr gutes Abi zu machen, als in anderen. So spricht der Frankfurter Professor für Didaktik der Biowissenschaften, Hans Peter Klein, gar davon, dass man für die Lösung vieler Abituraufgaben heutzutage nicht mal mehr zur Schule - oder zumindest in die Oberstufe - gegangen sein muss. Die Fähigkeit zum verstehenden Lesen reiche da bereits vollkommen aus, so Klein. Oft seien die Lösungen nämlich schon in der Aufgabenstellung selbst enthalten, sodass man im Grunde kein externes Wissen in die Abiprüfung mehr mitzubringen brauche. Dabei war es eigentlich nur eine simple Beobachtung, die den Wissenschaftler zu einer solch steiler These geführt hat: Immer mehr Abiturienten mit immer besseren Notendurchschnitten. Wie kann das sein? 

Klein, der von 1977 bis 2001 eigens Gymnasiallehrer in den Fächern Biologie, Chemie und Sport war, zeigte sich skeptisch gegenüber den Behauptungen, wie denen der sogenannten „KESS-12“ Studie, die von der Hamburger Schulbehörde durchgeführt wurde. Die Studie verglich dabei zwei Abiturjahrgänge, den G9 aus 2005 und den G8 aus 2011. Das Ergebnis war eine enorme Steigerung der Abiturientenzahl, wobei die abverlangten Prüfungsleistungen der Sache nach angeblich mit gleich hohen Ansprüchen aufwarteten. Die Schüler des G9 Jahrgangs sollen gar eine höhere Leistung in den Fächern Mathematik, Englisch und den Naturwissenschaften erzielt haben.
Dagegen zeigte eine qualitative Analyse der gestellten Aufgaben bei den Jahrgängen 2005, 2011 und 2013 im Fach Mathematik, ein eklatant gesunkenes Niveau der Mathematikaufgaben, sodass die signifikante Erhöhung der Abiturientenzahlen vor allem darauf zurückzuführen sei.  Auch im Fach Biologie kam man zu dem Ergebnis, dass etwa eine in 2010 gestellte Abituraufgabe im Grunde eine Aufgabe auf Fünftklässler-Niveau sei. Die zur Lösung nötigen Informationen mussten dabei lediglich dem beigefügten eineinhalbseitigen Text entnommen und wiedergegeben werden. Von einer „Begründung“, wie es in der Aufgabenstellung hieß, könne von daher gar keine Rede sein, so Klein weiter. Klein spricht deshalb vom Zentralabitur als einer „Realsatire“ sowie von einer „Nivellierung fachlicher Ansprüche“, die sich im Übrigen nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit, und hier insbesondere in den alten Bundesländern, zeige. Die so im Abitur aufgerissenen Wissenslücken müssen anschließend von den Universitäten ausgebadet werden, was einem qualitativ hochwertigen Studium entgegen läuft.

Die Frage nach Studienberechtigung im Vergleich zur Studienbefähigung ist also durchaus gerechtfertigt und bedarf weiterer Beobachtung und Analyse. Die leidtragenden sind schließlich immer noch die Abiturienten und späteren Studenten selbst, sodass dies, wenn auch schweren Herzens, wohl auch in ihrem eigenen Interesse sein dürfte.


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